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Die Tantramassage ist in Bayern angekommen
Artikel in Connection Spirit,  Juli 2014

 

Die Geschichte vom Vater, seinem Sohn und dem Esel

Eines Tages wollten ein Vater und sein Sohn ihren Esel zum Markt bringen. Der Vater ritt auf dem Esel, den der Sohn führte. Sie waren noch nicht weit gekommen, als ihnen ein Bauer begegnete und dem Vater zurief: Der arme Junge! Wie kannst du als Erwachsener dieses Kind mit seinen kurzen Beinen so quälen! Hast du kein Herz, du Egoist!, Eigentlich hat er recht, dachte der Vater, stieg ab und ließ den Jungen auf dem Tier sitzen. Nun schritt der Vater voran und führte den Esel. Nach kurzer Zeit trafen sie ein altes Mütterchen, das seine Stimme erhob: So eine Unverfrorenheit! Da sitzt der junge Bengel auf dem Esel und lässt seinen alten Vater nebenher laufen! Der Junge nahm sich den Vorwurf sehr zu Herzen und bat seinen Vater, ebenfalls auf den Esel zu steigen.So ritten sie eine Weile gemeinsam auf dem Tier, bis ein Fußgänger zu kreischen begann: Was für eine Tierquälerei! Da reiten zwei Nichtsnutze dem armen Tier den Rücken durch! Der Esel wird bald eingehen, wenn ihr ihn nicht schont! Nun war guter Rat teuer! Vater und Sohn beschlossen, den Esel zu tragen,damit er sich nach der großen Anstrengung wieder erholen konnte. Nachdem sie ihn einige Meilen weit getragen hatten, gelangten sie endlich zum Markt. Dort brach ein lautes Gelächter aus. So etwas Dummes haben wir noch nicht gesehen! Wozu tragt ihr den Esel spazieren, wenn er nichts leistet und keinen von euch trägt?, wollten die Leute wissen. Führt den Esel doch am Halfter hinter euch!, rieten die Einen, Sie können doch auch beide darauf reiten!, riefen die Anderen. Nein, das hält der Esel nicht durch, aber den Vater allein wird er wohl tragen können. Und das arme Kind soll sich wohl die Beine aus dem Leib laufen? Nein, das Kind muss reiten, der Vater ist doch viel kräftiger. Das lautstarke Debattieren auf dem Marktplatz nahm kein Ende und führte zu keinem brauchbaren Ergebnis. Viele glaubten zu wissen, wie dieses Dilemma am Besten zu lösen sei. Schließlich blickte der Vater nachdenklich auf seinen Sohn und sprach: Es ist offensichtlich belanglos, wie wir es anstellen. Es wird wohl immer jemanden geben, dem es nicht gefällt und der deswegen Anstoß daran nimmt. Wir machen ab nun genau das, was wir aus tiefstem Herzen und bestem Wissen und Gewissen für angemessen halten.



Glück oder Unglück? Wer weiß das schon!

Ein alter Mann und sein Sohn bestellten gemeinsam ihren kleinen Hof. Sie hatten nur ein Pferd, das den Pflug zog. Eines Tages lief das Pferd fort. „Wie schrecklich!" sagten die Nachbarn, „Welch ein Unglück." „Wer weiß, ob Glück oder Unglück", erwiderte der alte Bauer.

Eine Woche später kehrte das Pferd aus den Bergen zurück. Es brachte fünf wilde Pferde mit in den Stall.„Wie wunderbar!" sagten die Nachbarn, „Welch ein Glück." „Glück oder Unglück? Wer weiß", sagte der Alte.

Am nächsten Morgen wollte der Sohn eines der wilden Pferde zähmen. Er stürzte und brach sich ein Bein. „Wie schrecklich!" sagten die Nachbarn, „Welch ein Unglück!" Der Bauer antwortet nur: „Glück oder Unglück?"

Drei Tage später kamen die Soldaten ins Dorf und holten alle jungen Männer in den Krieg. DenSohn des Bauern konnten sie nicht brauchen. Er blieb als einziger verschont. Glück oder Unglück. Wer weiß das schon!