unsere Reiseberichte

Der Traum von Indien – eine Reise nach Goa

im Dezember 2013

Ich habe mich gefreut die nächsten Wochen auf das indisch vegetarische Essen, hab mich innerlich vom Cafe verabschiedet, von dem ich zu Hause viel zu viel trinke und gefreut in ein Land zu kommen wo es keinen Alkohol an jeder Ecke gibt, also auch auf das gepflegte Glas Rotwein am Abend zu verzichten. Einfach drei Wochen anders leben, jenseits der üblichen Gewohnheiten mit mehr Bewußtheit. Pustekuchen, gar nicht so leicht hier.

In Mumbai war das so, wie ich es mir vorgestellt hatte, doch Goa hier ist irgendwie crazy. Vor 10 Jahren erst wurde die Straße nach Ashwem geteert und ein paar Jahre vorher die Brücke von Mapsa nach Morjim gebaut – und heute? Am Ortseingang hat sich eine französische Boulangerie vom feinsten, vollklimatisiert und im aktuellen schokobraun gestrichen, niedergelassen. Frische Croisaints und Tarte au citron in der Kühltheke - unglaublich. Und das beste Restaurant im Ort serviert exquisite französische Küche, merveilleuse und ist direkt am Strand zu finden, wie der Name „La Plage", schon andeutet. So haben wir auf unserem morgendlichen Weg zum Training ein Crooissant mitgenommen und abends die Fischsuppe als Vorspeise, danach eine simple aber fantastische marokkanische Trachine mit Couscous genossen und uns den Ausklang mit einer „Creme brule au banane" und einem echten Espresso versüsst. Du kannst hier jeden Tag schlemmern wie Gott in Frankreich und das für 25 Euro für zwei. Für hier ist das ein Vermögen, in München würdest du dafür weit über 100 Euro zahlen. Das ist verlockend und lecker, doch deswegen bin ich nicht nach Indien gekommen.

Den ersten Saraong mussten wir hier 3 Tage suche, schicke Boutiquen mit erlesenen Ledertaschen Kleidern und Schmuck, gibt es mehr als Garküchen. Einzig ein einsamer Junge schürt abends ab und an sein Feuer am Straßenrand und verkauft etwas schwarzgegrillten Mais. Direkt vor den ersten schicken Hotels am Platz, Resorts und SPA's, die sich niedergelassen haben. Insgesamt eine sehr verrückte Mischung von modernem Tourismus und einfachem Leben.

Ankunft bei Gaunern

So war das Welcome in Mumbai. Nach der letzten Kontrolle haben wir die erste Gelegenheit genutzt um Rupi zu bekommen. Die Rupi hat der Senior hinter der Wechselstube mir etwas zu schnell hingezählt und da bin ich mißtrauisch geworden, habe selbst das Zählen angefangen und siehe da, es haben doch glatt 1000 Rupi gefehlt, immerhin 12 Euro. Ohne es nötig zu haben sich zu entschuldigen, hat er das fehlende Geld dazugelegt und anschließend mich zur Demonstration seiner Macht, einer kleinen Bürokratie mit Visumkontrolle und eingehender Begutachtung des Flugticket, dazu dem Ausstellen einer offiziellen Quittung in Beschlag genommen. Nach diesem Welcome in India, war ich die folgende Zeit nur noch mißtrauisch, was zwar anstrengend war, aber sicher von unserem Vorteil.

Also als nächstes das Prepaydticket für das Taxi kaufen, wobei hierbei wohl auch der erste Schalter vermutlich nicht der billigste war. Und nur nicht den Vaucher für das Taxi aus der Hand geben, jeder will es sehen und an sich nehmen, und dann ist er vielleicht um die nächste Ecke verschwunden - in dem ersten vollkommen unüberschaubaren Gewühl der laut hupenden Autos. Irgendwann wurden wir in ein Taxi verfrachtet und hinaus ging es in den nächtlichen Verkehr von Mumbai, ungewohnt auf der linken Fahrspur. Wie riesig und unübersichtlich Mumbai ist, erfuhren wir, als unser Taxifahrer sich sicherlich 20 Minuten zu unserem kleinen Hotel durchfragte und selbst die Straße ihm kein Begriff war.

Im Hotel angekommen, bekam der Fahrer 50 Rupi Trinkgeld, womit er ganz und gar nicht zufrieden war und forsch 200 forderte. Nicht locker lassend, folgte er uns bis zur Rezeption, den Blick fest auf uns geheftet und erst ewig später, ließ er sich von dem Hotelboy vertreiben. Na das kann ja lustig werden, wir noch unerfahren, und jeder macht dir eine kleine Gefälligkeit, trägt deinen Koffer bis zum Zimmer und hält danach schon die Hand auf. Wenn wir unser Gepäck dan selber tragen, wird das mißmutig schmollend zur Kenntnis genommen.

Allerdings habe ich das Gefühl, auch wenn ich am ersten Tag sofort beschissen wurden, ich muss nicht so Angst um meinen Rucksack haben, dass der z.B. am Strand geklaut wird. Vielleicht liegt das an den Strafen für Diebstahl, mal schauen, wie hoch die hier sind? Dann würde das heißen, die kleinen Diebe auf der Straße werden geschlagen und die gierigen korruppten Halbbeamten können absahnen. Wenn ich mir denke, was solche Seniores nebenbei am Tag und hochgerechnet im Monat verdienen, sind sie sicher schon Millionäre mit 3 Häusern am Meer.

Der Alltagskommunismus - Soziale Gerchtigkeit am Straßenrand

Wir haben gerade in einer netten Boutique ein paar Präsente für zu Hause gekauft, und der Inder dort hatte „Prices fixes", was für hier total ungewöhlich ist. Einer seiner Sätze war „ob mein Nachbar kommt oder Bill Gates, meine Sachen kosten für alle gleich." Vor zwei Tagen am Straßenrand war das ganz anders. Ich hatte mich geärgert, als ich für den leckeren Zuckerrohrsaft an der 20 Rupi gezahlt habe und der Inder von nebenan nur 10. Auf der einen Seite mein kurzer Ärger, auf der anderen Seite eine gewisse Art soziale Gerechtigkeit. Was ist wohl besser oder richtiger?

Bei den verpackten Sachen von den Fabriken hört dies allerdings auf. Denn neben all den Handel gibt es auch Dinge, die haben fixe Preise. Eine Flasche Wasser kostet 20 Rs. Eine Cola 30 und eine Chipstüte 20. Alles was von einer Firma in Verpackung kommt, hat einen Preis, der darauf abgedruckt ist und überall gleich ist.

Charmantes Marketing

Die kleine Inderin war gerade mal 13 und schon jetzt eine sehr gute Verkäuferin. In der kleinen Straßenboutique führt sie die Verkaufsgespräche, als vermutlich Älteste ihrer Geschwister, in einem passablen Englisch und den notwendigen russischen Wortschnipseln – so charmant, einfach köstlich. Und die Kleider, genäht aus alten Saris, fertigt sie mit ihrer Familie selbst und ist bereit auch sofort alles ensprechend der Kundenwünsche umzunähen. Das verdiente Geld küsst und bekreuzigt sie dreimal, vermutlich für weitere gute Geschäfte. Umgeben ist sie als Stern in der Boutique von ihrer Mutter, den jüngeren Geschwistern, und dem trägen Vater, der lange hinter den Kleiderstangen auf Stoffhaufen vor sich hin döste – nur um dann mal verschlafen hervorzukommen und sich wichtig zu machen. Wie wird die Zukunft dieses Mädchens wohl sein, die jetzt schon so für ihre Familie sorgt und sich ihr Wissen auf der Straße aufsammelt?

Dauershocking - der ewige Lärm

Vor dem Lärm und Gehupe in Mumbai, das alle immer noch Bombay nennen, flüchten wir in ein häßliches Kaufhaus, eines der seltenen. Zu Hause flüchte ich aus den Kaufhäusern, weil es mir dort viel zu viele Menschen auf einem Fleck gibt und es viel zu buisy ist – und hier? Flüchte ich hierher, ist das nicht kurisos? Höehepunkt dort war der KFC, also die Chickenfastfoodaerea, die wie das Kaufhaus nicht für jedermann von der Straße zugänglich ist und deren Eingänge vom Sicherheitspersonal bewacht werden.

Kaum saßen wir mit dem trockenen Reis und den dürren Vegiröllchen am Fensterplatz, lockten wir neidische Gesichter von den bettelnden Zigeunerkindern von der Straße auf uns, so dass das Essen kein Vergnügen mehr bereitete – tja was tun? Auf die hinteren Plätze ausweichen um dem Elend zu entgehen? Wir blieben, und ein ganz hübsches Mädchen auf der anderen Seite der Fensterscheibe auch, machte dort äußert vielsagende und freundliche Gesten, ihr doch etwas von unserem Luxus zu geben und es spann sich eine nonverbale Konversation ungeachtet der unterschiedlichen Sprache über die Länge unserers Reisgerichtes, endend mit dem Versprechen ihr etwas mitzubringen. Also mit einer Portion unseres Gerichtes in der To-go-Variante bepackt, machten wir uns auf den Weg nach außen, wo es nicht leicht war neben den anderen neidischen Kinderblicken genau ihr das Päckchen zu geben. Hastig machte sich sich davon, mit strahlenden Augen und wir sahen ihr dann von der Entfernung noch ein wenig zu, wie sie ihr Essen mit ihrer kleinen Schwester oder Freundin stolz geteilt hat. Ein Essen, das bei weitem nicht an die leckeren Teigtaschen mit Currysauce in den Straßenküchen herankommt, und trotzdem als exotischer Luxus freudig verspeist wurde.

Die Hunde

waren sowas von freundlich und zurückhaltend. Naja manche bellen doch nachts, und wenn man direkt daneben wohnt, ist das nicht so lustig. Jedoch keiner stürzt sich auf dich oder springt dich an, nein sie schauen eher schüchtern, ob für sie etwas abfällt – sogar im französischen Restaurant werden sie auf der ganzen Terasse sowohl von den Gästen, als auch von dem Service geduldet. In der Bretagne hatten uns die Hunde schon 500 Meter vor jedem Ort bellend und jagend empfangen und uns erst nach dem Ort wieder entlassen, was manchmal eine „Hasenjagd" mit Menschen war.

De l'eau et la poubelle

Für uns Europäer ist es ja durchaus sinnvoll nur Wasser aus den abgepackten Plastikflaschen zu trinken, die es überall für 20 Rupi den Liter zu kaufen gibt. So trägt man immer seine Wasserflasche mit sich herum, während die Einheimischen, zumindest in Mumbai, überall große Tonnen mit Wasser stehen haben, meist neben den kleinen Garküchen und dort mit einem Art Meßbecher das Wasser schöpfen und trinken. Das wäre für uns zwar nicht sehr verträglich, macht aber zumindest keinen Müll, während wir hier pro Person in 3 Wochen ca. 80 Plastikflaschen als Müll zurücklasssen, was aufeinandergestapelt einen Turm von 25 Meter ergeben würde. Apropo Plastik: Der wesentliche Müll in den Feldern und Wiesen sind Plastiktüten und sonstige Plastikreste. Und das in Massen und an jeder Ecke. Ohne diese Plastikberge wäre es hier sauberer als an manchen Orten in Europa. Das gilt natürlich nicht für Mumbai, dort ist es wahnsinnig dreckig, und alles liegt und schwimmt in den Gassen, Ecken und Straßen und gibt vermischt mit dem abgestandenen Wasser eine nette Mischung. Obwohl, es hat auch dort nicht unerträglich gestunken, erstaunlicher Weise. Und noch erstaunlicher, dass selbst in Mumbai, inmitten all des Drecks, einfache Straßenverkäufer gebügelte Hemden haben und Frauen mit ihren bunten Saris wie vom Catwalk kommend aussehen. Ein Miracle, wie sie das hinbekommen. Und die Mutter wäscht ihr Kleinkind komplett nackt, sehr sorgfältig neben ihrer „Hundehütte" am Straßenrand – in all dem Kampf ums Überleben, scheint die persönliche Sauberkeit, ein wichtiges Gut zu sein.

Der Wetterfrosch hat hier immer recht

Die Gewissheit, dass es morgen und übermorgen und überübermorgen... nicht regnen wird und die Sonne zu 100 Prozent von frühmorgens bis abends scheint, ist schon wahnsinnig. Das kenne ich gar nicht. Um das Wetter muss sich keiner Sorgen machen und einen Wetterbericht braucht keiner zu lesen. Zumindest jetzt ist das so. In der Regenzeit schaut die Welt hier sicher total anders aus, im Moment unvorstellbar. Dann regnet es tage- und wochenlang, jeder bastelt an seinem Dach herum, so dass es darunter trocken bleibt. Wäsche trocknet nicht mehr bei der hohen Luftfeuchtigkeit und Touristen machen sich noch rar. Wir sind gerade in der Vorsaison hier, um Weihnachten und Neujahr ist die Hauptsaison und ab April geht schon wieder das „schlechte" Wetter an.

Und das Meer?

Die Strände sind weit, ziemlich sauber, obwohl sie nicht gereinigt werden wie in Italien und das Wasser ist angenehm warm, vielleicht so 26 grad. Nur ist es nicht klar, sondern braun und man sieht keine 20 cm weit, also auch keine bunten Fische. Weiß nicht warum das Wasser so trübe ist? Und die Atmosphäre am Strand ist auch anders als in Italien oder Frankreich. Irgendwie etwas düsterer. Ich vermisse das klare Wasser und die Fische und die Unterwasserwelt mit Maske und Schnorchel. Irgendwie ist es perfekt hier in manchem und dann wieder seltsam. Die Moskitos beschränken sich auf 1-2 Stunden nach Sonnenuntergang mit ihrer Hauptspeise und lassen uns ansonsten in Ruhe. Zur Sicherheit wird als „Gruß aus der Küche" ein Mückenspray als erstes auf den Tisch gestellt – praktisch, aber nicht gerade kulinarisch sinnlich.

Artisten der Palme

Eine Sisalschnur zu einer größeren Schleife gebunden, mit den nackten Füssen hineingeschlüpft und schon klettert der junge Mann behende den langen Stamm der Palme empor, bis in die Krone um dort die Kokusnüsse zu ernten. Welch simple Methode – bei uns würde man vermutlich eine Hebebühne dafür benutzen.

Die Freiheit hier

besteht darin ohne Helm, in T-shirt und Shorts Motorrad zu fahren und das nicht nur zu zweit, sondern mit dem Kind auf dem Tank, dem Sohn als Sozius und der Frau im Sari, im klassischen Damensitz als elegantes Schlußlicht. Das ist selbst schon in Bella Italia seit vielen Jahren passé. Unfälle haben wir seltsamerweise keinen einzigen gesehen. Also hat das Hupen doch seine positive Wirkung. Obwohl in dem lauten Dauergehupe ja gar keiner mehr beachten kann, ob das in irgendweiner Weise ihn betreffen mag.

Zugfahren – das Verkehrsmittel der Wahl

Leider haben wir es nicht geschafft länger im Zug zu fahren, so beschränkt sich unsere Erfahrung auf ein kleines Erlebnis in dem Nahverkehrszug, quasi die S-Bahn von Mumbai. Offene Wagons wie im wilden Westen, zumindest alle Türen bleiben offen auch während der Fahrt, und schon lange bevor der Zug hält spri-ngen die ersten ab und der letzte springt akrobatisch noch auf dem Zug auf, indem er die letzten Meter nebenherläuft. Also ein wenig aufpassen, wenn es ans Aussteigen geht, um nicht zu früh von den Artisten nach vorne geschupst zu werden, aber auch nicht zu spät, denn der Aufenthalt währt nur kurz.

Irgendwie ist es hier wie am Gardasee

Auch dort kannst du alle Speisekarten in Deutsch lesen und bekommst dein Schnitzel wie zu Hause. Goa ist für die Russen wie für uns der Gardasee. Die Speisekarten sind Englisch-Russisch und auf der Suche nach einem guten Restaurant schwärmen uns die Nachbarn vom besten Borsch in Goa vor. Was Danke und Guten Morgen auf Hindi heißt haben wir nicht gelernt, aber dafür ist uns jetzt Spasiba und Dobroje utro geläufig.

Hier befinden sich auf den Speisekarten mindestens 100 Gerichte, von den indischen Currys bis zu Nudeln und Plintschiki, alles dabei und es sitzen oft keine Leute im Restaurant. Wie soll da das Essen frisch sein? Madou aus Nordindien erzählt uns, dass bei ihr zu Hause nur ein paar wenige Gerichte angeboten werden, und die werden jeden Tag frisch zuereiten und das Essen viel besser ist als hier im touristischen Goa. Unser Saftmann, kommt auch aus Nordindien und hat hier sein kleines Haus an der Straße, und kommt für 4 Monate hierher und macht seinen super Saft und zwei Sandwitches und dann kehrt er wieder in den Norden zurück für die nächsten 8 Monate.

Mapusa

Heute haben wir für 57 R auf dem Markt in Mapusa gegessen, ganz leckere und scharfe frittierte Teigtaschen, davon haben wir 5 Stück gegessen mit Sauce und eine Cola. Das ist wirklich indisches Essen und zu indischen Preisen. Überhaupt, der Markt in Mapusa ist ein herrlicher lokaler Markt, jeden Tag und man kann dorthin gut mit den Bus für 15 R fahren. Es gibt dort alles für das alltägliche Leben und auch genug Kleider und Tücher für unsere Einkäufe. Das große Tuch 2x2 Meter, für das wir im Strand von Áshwem fast 700 R gezahlt haben, wird dort für 500 angeboten und gezahlt haben wir dann 350. Dort kann man auch in Ruhe einkaufen und wird nur von wenigen Ausnahmen nervig angesprochen.

No, no, no

No Taxi, no zu den bettelnden Frauen, no am Basar. Dort war es heute am schlimmsen. Immer no. Jeder will etwas von dir, zerrt dich halb in sein Geschäft und sobald du nach den Preis fragst lassen dich manche nicht mehr los, auch wenn du nicht einig wirst, eine ist ganz ärgerlich hinter uns und anderen immer hergerannt – an manchen Ecken war es auch ruhiger und die Händler waren gelassener. Am Strand und in den Restaurants geht es dann weiter, hier ein Neonspielzeug, eine Kolonne von 10 Indern in minutenabständen, halten dir wie zu Hause penetrant ihre Rosen unter die Nase – und wieder no, no, no. Ist das anstrengend.

Der Höhepunkt

auf dem Markt war, ein Mann der auf mich zukam, auf etwas an meinem Ohr gedeutet hat und naiv wie ich in diesem Moment war, habe ich ihn mir nicht gleich vom Leib gehalten und schon hat er etwas aus meinem Ohr gezogen, ich dachte was nun und dann erst sah ich sein „Besteck" ein kleines Holsstäbchen mit dem er mir versucht hat die Ohren auszuputzen und als Beweis mir auch mein Schmalz unter die Augen gehalten hat. Ich war so perplex, dass ich erst dann gespannt hatte was nun weiter folgen wird, weitere ungefragte Popeleien und dann die leidige aggressive Bettelei um einen entsprechenden Lohn. Doch da hat mich meine Shakti schon weggezogen und von diesem Mann gerettet gehabt.

Mumbai, eine Millionenstadt von Spezialisten

Einer verkauft alte Zeitungen kiloweise, ein anderer schleift Messer, dann ein Reifenhändler, Bamusstangen für jegliche Gerüste, auf der Straße einer der die Männer auf einem Hocker rasiert, und so weitern, eine endlose Liste an Spezialisten, jeder scheinst seine ganz spezielle Profession oder Dienstleistung zu haben und das auf einer Länge von 2 Meter 50. So Breit sind die meisten Geschäfte. Ein Beruf war ganz beonders auffallend, das waren die Tabakhändler, die saßen immer im Yogisitz auf einer ausgeklappten Holztheke, auf einem Meter Höhe, um sich die eingeweichten Tabakblätter und verschiedene Pulver und Kügelchen, und so etwas wie Glückspiellose ..? Was bei uns in einem Baumarkt in einem Geschäft gibt, ist hier noch verteilt auf hunderte Berufe. Da werden auch selbstverständlich alle Arten von Handys repariert und überhaupt alles auseinandergeschraubt. Wo Menschen Blumen zu Girlanden zusammenbinden, ist ein kleiner versteckter Tempel nicht weit.

Die Boys

Jedes Hotel, Restaurant oder auch unser Trainingscenter hat eine Unmenge von Boys, die meist herumstehen und tja was tun? Das ist oft nicht ganz klar, was so viel Personal für Aufgaben hat. Im Restaurant stehen sie dann alle hinter der Theke und erwecken den Anschein oft nur auf besserer Zeiten zu warten. Im Hotel kristalliert sich dann meist einer heraus der englisch kann und die Konversation übernimmt. Bei uns im Hotel wo wir jetzt schon über einer Woche sind, kennen wir die Jungs dann schon besser und sie sind sehr hilfsbereit, wenn wir etwas brauchen. Auch wenn nicht alles richitig ankommt, was wir wollen. Eine Cola zu bestellen ist ganz einfach, aber einen Ingewertee, der 20 min gekocht werden soll, ist schon die graduierte Stufe. Und alle Tätigkeiten gehen in einer sehr gemütlichen Weise vor sich um nicht zu sagen ziemlich träge. Man könnte es auch charmanter Shanti, Shanti – immer mit der Ruhe, nennen. Zweimal in zwei verschiedenen Hotels haben wir den Boys in der Reception aufgetragen uns zu wecken – zum Glück mussten wir nicht zum Flieger oder dem Zug, dend geklopft hat nie jemand an unserer Tür. So haben wir uns die ersten Tage erstmal gut ausgeschlafen, anstatt schon um 8 Uhr zum Yoga zu marschieren.

Dass hier die Arbeitskraft noch einen ganz anderen Wert hat, nämlich einen sehr geringen ist auch auf den Baustellen zu sehen. Ich habe keinen einzigen Kran im Lande gesehen, keinen Bagger, gerade mal einen Lastwagen der Erde oder Stangen transportiert. Dafür auf den Baustellen viele Menschen, teils Kinder von vielleicht 12 Jahren, dünne Jungs, die auf ihren Köpfen Plastikwannen voll schwerer Erde schleppen. Bei so vielen Menschen braucht man kaum Maschinen. Das ist noch wie bei uns vor der industriellen Revolution.

Boommm

Heute nacht hat es einen ziemlichen Schlag auf der Straße getan, anschließend haben die Hunde und Kühe eine halbe Stunde lang laut gebrüllt. Und ich muss meine Satz von oben ergänzen, wir haben zwar keinen Unfall gesehen, aber einen gehört und am morgen lag das deformierte Motorrad im Straßengraben, daneben das Unfallauto mit der durchlöcherten Windschutzscheibe – da hat wohl einer doch nicht laut genug gehupt. Wir gingen zuvor schon nachts immer die Strnlampe schwenkend auf den Straßen und das nicht gerne und nicht weit.

Wie ohne?

Wie haben die Inder hier vor dem Zeitalter des Taschenrechners Geschäfte gemacht? Unvorstellbar. Nichts geht ohne Taschenrechner. Nur unser FruitJuice-Händler rechnet die Bill im Kopf zusammen. Alle anderen nehmen für 20+20 den Rechner (bei uns zu Hause übrigens manche ja auch) und die meisten tun sich mit Zahlen wohl recht schwer. Auch was an Rückgeld herauszugeben ist, lässt kurz oft sichtbar den Kopf brummen und dann kommt doch die Maschine zu hilfe an. Und der Rechner dient ja auch als Kommunikationsmittel um Preise ohne Sprachkenntnisse hin und und her mitzuteilen. Haben viele das Rechnen also verlernt, nicht mehr gelernt oder war das auch früher für viele schon schwierig?

No Meditation

Heute durften wir im Training nicht mehr laut meditieren, weil sich die Nachbarn beschwert hatten, doch was ist eine Gruppe von 10 Personen die gibberisch reden im Gegensatz zu dem permantenen Straßenlärm, dem Gehupe und den Röhren der großen Motorräder? Hier ist es schwer im Alltag meditativ zu sein, das Leben ist hier mehr wie eine Waschmaschine im Schleudergang. Ich würde gerne auch die Orte der Ruhe und Meditation in diesem Land kennenlernen, die es vermutlich auf dem Lande und in den Ashrams auch gibt, doch da kommen wir leider diese Tage nicht mehr hin.

Die linke Hand

Inder, wenn sie mal aus der Flasche trinken, setzen die Flasche nie ganz an den Mund, sondern lassen das Wasser in den Mund laufen, vermutlich aus hygienischen Gründen. Und für manche gilt auch noch der Unterschied zwischen der rechten Hand und der linken. Die linke Hand ist die unreine, mit der wird der Hintern auf dem WC gewaschen, mit der rechten wird gegessen. Manche sieht man z.B. nur mit der rechten Hand Geschirr abwaschen, was natürlich schwierig ist, dann wird das Geschirr nur durchs Wasser gezogen und nicht geschrubbt.

Raso Vai

Schmerz ist gut, so der Leitspruch unserer Massagelehrerin. Ihr Kollege sagt etwas softer, etwas Schmerz ist gut. Da ist die indische Kultur von unserer doch sehr verschieden und hier sind die Leute gewohnt bei den Massagen wirklich kräftig hinzulangen und wollen auch kräftig massiert werden.

Nach 10 Tagen Training haben wir die komplette Massage von fast 2 Stunden uns gegenseitig gegeben - und wir waren total erstaunt, wie beweglich wir nach einer Woche sind und wie deep wir die Strokes ausführen können, die uns vor einer Woche noch geschmerzt haben.

Wir sind durch unser Training der Ayurveda-Yoga-Massage fast ein wenig unerwartet in eine persönliche Ayurvedabehandlung geraten und nehmen hier jetzt auch für uns Massagen und den Shirodhara. Das alles zusammen ist für unsere Körper so wohltuend. Wir gehen schon nach ein paar Tagen aufrechter, ein wenig indischer. Der Shirodhara heute war traumhaft, mein Kopf so klar und überall spürbar, ein Genuß einfach wahrzunehmen. Und auch der Nasri anschließend hat meine Stirnhöhlen mit Öl gut durchgespült.

Der Blick verändert sich immer wieder

Eine Bekannte, die ein paar Orte weiter entfernt erzählt, dass bei ihr die Hunde ganz böse sind und besonders nachts soll man nicht ohne Stock auf die Straße gehen, weil sie da ganz besonders ihr Haus und Revier verteidigen. Wie unterschiedlich doch die Erfahrungen ein paar Dörfer weiter sein können. Und heute nacht sind uns doch auch glatt ein paar aufgeregte Hunde etwas zu nahe gekommen und schon ändert sich wieder das Bild und auch dieser Bericht.

Preisvergleich.de

Eine Rolle Klopapier kostet soviel wie eine kleine Flasche (200ml) indischen Schnaps.

Gypsigoa

Bei Angela und Richalo, die erst diese Tage das Gypsigoa übernommen haben, begann unser Urlaub richtig Urlaub zu werden. Ein kleines Resort direkt am Strand, eine Oase der Ruhe, mit pikanter indischer Küche. Ein paar Hütten auf Stelzen und ein paar Tipis, in einem gepflegten Palmen und Bananenstaudengarten. Ein herzlicher Empfang, und rundherum Gäste, die diesen Ort zu schätzen wissen. Allerdings zahlen wir dafür auch einiges mehr als in unserem früheren Hotel, doch das gönnen wir uns nun für die letzen Tage. Morgens, die Terassentür aufziehen, ein wenig am Strand die müden Glieder dehnen und dann für ein erstes Bad ins Meer. Und dann wartet schon das schlichte Frühstück mit Obst und Toast auf uns – dazu liegen wir schon unter dem Strohdach am Strand auf den Liegen, ist das nicht traumhaft? Und nachts spielen die Wellen ihr beständiges Lied und singen uns in den Schlaf. Ein Gefühl wie auf einem Hausboot, und die laue Nachtluft weht uns um die Nase.

Nur die Betten bleiben hart, egal wo man schläft. Das absolute Gegenteil von französichen Hängematten und italienischen Durchsackern. Inder sind eben etwas härter und wir haben die Betten Fakirbetten genannt. Doch auch daran haben wir uns bald gern gewöhnt.

Andere Länder andere Sitten

Inder blicken traditionell einanderen nicht in die Augen, und zwischen Männer und Frauen würde dies sogar sehr anzüglich sein. Eine Frau soll den Blick nach unten senken. Das war das, was mir in Mumbai so seltsam war, dass keiner mit dir in einen direkten Kontakt gegangen ist, immer wie ausweichend, auch die Männer. Jetzt verstehe ich langsam, dass das eine gesellschaftliche Regel ist – mir erschien es fast wie unhöflich. Jedenfalls ist dies nicht meine Weise wie ich mich wohl fühle. Auf unserer Reise habe ich mich immer wieder nach Bella Italia gesehnt, mit dieser leichten, herzlichen und ein wenig schäkernden Weise dort zu kommunizieren, ungezwungen ein wenig zu flirten. Dort geht mein Herz auf und ich fühle mich zu Hause. Das wird wohl in Indien hier nie sein. Auch wenn es hier in Goa ganz anders ist. Die Kommunikation ist viel offener und wir haben ganz herzliche Kontakte zu unseren Händlern, zu denen wir regelmäßig zum einkaufen gehen. Manche winken und grüßen uns von weitem zu. Aber das Winken ist oft etwas verstohlen, so ein wenig die Hand hebend, aber den Arm fast nach unten gerade haltend. Doch da erinnern wir uns auch an manche Kinder in Munbai, wie das Mädchen vor dem Fastfoodrestaurant, die haben uns ganz offen angeschaut. Und hier in Goa kommt noch die spezielle Touristenkomunikation hinzu. Das geht so: Wie heißt du? Ich heiße ... Händeschütteln, You are my friend, come to my magazin – falls du nicht bereit bist sofort zu gehen, kommt dir wieder die Hand entgegen – promise, you come tomorrow, my friend, promise?

Zufällig entdecken wir in einer Bücherecke hier das Buch von Rainer Krack, Kulturschock-Indien. Und lesen darin einen großen Teil unserer Erfahrungen und verstehen nun manche Verhaltesnweisen besser, die uns sehr fremd waren. Ich denke, das beste Buch um sich auf eine Indienreise innerlich vorzubereiten.

Manchmal stoßen wir auch auf die Einteilung in Kasten, auch wenn uns diese noch fern und geheimnisvoll bleiben. Manchmal sehen oder hören wir, dass einer niedrige und dreckige Arbeiten delegiert – aber das gibt es ja bei uns auch, je nach gesellschaftlicher Stellung. Doch die Weise ist etwas anders und unvorstellbar, dass es für manche keine Aussicht gibt den gesellschftlichen Stand durch Schule und Wissen oder Ehrgeiz zu verändern.

Experiment am Strand

Vier Mädchen kamen am Strand auf uns zu um uns etwas zu verkaufen und wir waren gerade in der Stimmung, uns auf ein Gespräch einzulassen, anstatt das übliche No,no. Und dann ist es spannend, hinter dem ersten Gesicht, das zweite zu entdecken. Die Mädchen, die schon junge Frauen waren, zwei 18 und 19, und wie junge Teenager aussehen, die nie zur Schule gegangen sind, kaum schreiben können. Wir haben sie ein wenig ausgefragt und dazwischen haben sie immer wieder versucht uns ihre Massagekünste zu verkaufen. Dafür möchten sie für 30 min 700Rs haben, gehandelt vielleicht noch 300. Also haben wir uns auf ein Experiement eingelassen und uns von allen vieren massieren lassen, zwei unsere Füsse und zwei unseren Kopf und für jede ein small Buisiness dadurch von 100 Rs ausgehandelt. Lachend haben sie sich an die Arbeit gemacht und uns begonnen zu kneten und zu drücken. Meist war es ein äußerst laienhaftes Gedrücke ohne Konzentration und schon gar nicht mit etwas Hingabe. Die Jüngste hatte durchaus etwas Talent und etwas Kenntnisse von einer Kopfmassage, aber nur 2-3 Schritte, die sie dann hilflos immer wiederholt hat. Und das verkaufen sie hier am Strand als Massage. Gefragt woher sie ihre Kenntnisse haben, ob vielleicht von ihren Müttern gelernt, nein, nur abgeschaut von anderen am Strand – also haben wie ihnen ein klein wenig Unterricht gegeben und sie haben wie gebannt sich ihre Hände massieren lassen und jeder wollte mal drankommen. Nebenbei haben wir etwa von dem Hintergrund erfahren, ihrer Chefin, der sie das Geld abgeben müssen und ihren Teil abbekommen, und der Strandpolizei, die auch ihren Obulus einsammelt. Und jeden Tag kommen diese Mädchen in einem neuen Gewand, wie um auf den Catwalk zu gehen, aufs neue und beginnen ihre Tagesarbeit.

Strandpolizei

Neben den Liftgards, die unter ihren Strohdächern sitzen und ohne große Bewegung, fast teilnahmslos den Strand überwachen, gibt es noch die Strandpolizei. In freundlicher Aktion haben wir sie auf zwei nacksonnenbadende Frauen zuschlendern sehen, diese eine Weile betrachtend, und sie dann anscheinend freundlich aufgefordert ihren Bikini anzuziehen, und sich dann langsam wieder zu ihrem Posten zurückbewegt haben. Das ist Goa. Shanti, Shanti.

Kokusnuss

Das war eine Entdeckung! Auch wenn ich weiß, dass exotische Früchte bei uns entfremdet und mit nur einem Teil ihres Geschmacks bei uns nach der langen Schiffsreise ankommen, so war ich bei der Kokusnuss doch überrascht. Die Senora am Strand schlägt die Nuss gekonnt auf, schiebt einen Strohhalm hinein. Dass köstlich viel Saft durch den Halm fließt, habe ich noch erwartet, aber als sie uns fragt ob wir auch das Innere essen möchten war ich perplex. Sie halbiert die Nuss, schlägt mit ihrer Machete einen kleinen Spatel von der Außenseite ab und gibt uns das Fleisch zu essen. Ich dachte einen Moment, wie will ich mit diesem weichen Spatel das harte Kokus von der Rinde abkratzen. Keine Mühe das Fleisch war weich und zart und einfach zu löffeln. Tja kein Wunder woher nun unser Saftmeister den tollen Kokosshake herstellt, er mixt das weiche Fleisch in den Saft mit hinein und es entsteht ein Getränkm das fast wie Muttermilch schmeckt und mancherorts auch als Ersatz dafür wohl genommen wird.

In Arambol

Hier haben wir Goa gefunden, wie es in den Büchern steht und unser Morjim ist uns im nachhinein wie ein verlassenes Westerndorf erschienen. Hier steppt der Bär und es ist eine bunte Mischung von jungen Leuten aus allen Herrenländern. Eine Bar, ein Restaurant neben dem anderen und viele gut besucht. Eine fast unendlich lange Reihe von Restaurants am Strand, dazwischen ein paar Bungalows, ganz einfache zum wohnen. Dafür ist der Strand auch voller als bei uns, nicht so beschaulich. Ein lebendiges und munters Leben. Die Kellner locker und kontaktfreudig. Ein leichtes beschwingtes „Hippileben". Und das höchste der Genüße für alle shoppingfreudigen, eine endlose Straße von Arambol Beach bis Arambol Village, eine einzige Einkaufstraße. Ein Paradies für Frauen und die doch wenigeren Männer, die nicht auf der Straße auf ihre Shakti geduldig warten. Die Händler sind hier kaum aufdringlich, man kann sich in Ruhe umschauen und die Waren sind billiger als in Anjuna und von teils besserer Qualität. Und diese Straße ist unvorstellbare 1,5 km lang bis zum letzen Geschäft.

Was ich über Hüte immer schon schreiben wollte

Aus Platzgründen hatte ich keinen Hut mitgenommen, gedacht ich kaufe mit selbstverständlich hier einen. Doch Pustekuchen, kein Inder mit Hut und schon gar nicht mit Baseballkappe, und wenn dann waren nur ein paar wenige Damensonnenhüte zu kaufen. Also habe ich mir Tücher um den Kopf gebunden, wenn mir die Sonne zu viel war. Und prompt auf dem Weg nach Arambol, sehe ich die ersten Männer mit Hüte und dann sogar Baseballkappen, aber von Touristen getragen.

Und der Höhepunkt in Arambol war die kleine Garküche an der Straßenkreuzung ungefähr in der Mitte der Paradiesstraße. Der Koch war auf Solotour unterwegs, hat alles selber geschnitten, frisch zubereitet und mit emporlodernden Flammen auf seinem Wok gebraten. Gut, es hat etwas gedauert bis jeder sein Essen hatte, so vielleicht eine ¾ Stunde, also shanti shanti, aber es war sehr lecker und wir haben zusammen gut für 190 Rs gegessen und getrunken. Es soll das günstigste Essen in Arambol sein.

Den Weg von Morjim nach Arambol haben wir bei Ebbe über den Strand zurückgelegt, ein wunderbarer Spaziergang über die langen Strände, die Füsse im Wasser. Dafür braucht man gemütlich so 1 1/2 Stunden. Am zweiten Abend in Arambol haben wir dort köstlichen gegrillen Fisch gegessen und Abends legt sich eine nette romantische Stimmung über die Bucht, überall Kerzen auf den Tischen und durchwegs gutes Essen.

Plötzlich kommt in die Shanti Shanti Stimmung etwas Bewegung, ein Mann wird von dem Kellner aus den Reihen des Lokals geschuppst, bei näherem Hinsehen, fehlt dem bärtigen „Althippi" die Hose, die hatte er einfach nur um seinen Hals wie ein T-Shirt geschlungen. Sichtlich zugedröhnt versuchte er eine Zigarette zu schnorren und wurde dabei von einem Lokal zum anderen geschuppst. Die Polizei zu rufen hielt in dem sonst so prüden Inden wohl keiner für nötig, vermutlich hat hier Goa seine eigenen Laizesfair Umgang mit diesen Alltäglichkeiten. Eine andere kleine Episode mit der Generation „Althippi" in der engen Einkaufstraße: eine Kuh versperrt dem Taxifahrer den Weg und dieser beginnt genervt zu hupen. Da taucht ein Mann mit Bart und nackten Oberkörper vor der Kuh auf, fällt vor ihr ehrfürchtig auf die Knie und bleibt ehrerbietend im Staub der Straße liegen. Die Kuh stört weder das eine noch das andere, und sie zieht weiter ihren Weg. Zurück bleibt der genervte Taxifahrer, dem nun der Althippi den Weg versperrt und sich wiederum nur sehr gemächlich, eben shanti,shanti wieder auf seine zwei Beine stellt – das war vermutlich westlich missionarischer Untericht in hinduistischer Frömmigkeit für moderne Inder.

Von Gomera kenne ich das abendliche Trommeln im Val de gran Rey zum Sundown. Diese Tradition gibt es auch in Arambol, doch als ich zum Sundown den Strand aufsuchte, war ich enttäuscht. Verschiedene kleine Gruppen haben jeder vor sich hin getrommelt, umgeben von einer Schar Zuschauer, dazwischen ein paar Künstler mit HulaHupRingen- eine Stimmung wie auf dem Tollwood in München - und wie nebenbei ging die Sonne auch unter. Weit entfernt von dem Kultereignis auf Gomera, wo sich - wie in einem alten Ritual - ehrfürchtig und in Stille alle am Strand versammelt haben und von den Trommlern begleitet den Tag verabschiedet haben.

Zum Abschied noch einmal ein französisches Au revoir

mit: lecker gegrilltes Beuf, vorher eine soup de poisson und als Dessert eine tarte au chocolate mit innen noch warmer flüssiger Schockolade, der Wahnsinn. Dazu als Einstimmung eine Pinacolada, dann ein heimischer Vin rouge und zum Dessert einen Espresso.

und dann ging es wieder Richtung Heimat

Frühmorgens am Flughafen in München angekommen, war gähnende Leere und Stille um uns herum. Wie habe ich diese genossen und mir gleichzeitig vorgestellt, wie es einem Inder wohl gehen mag, der von Kindheit an immer in engen Räumen, mit vielen lauten Menschen zusammen gelebt hat? Wie einsam wird er sich vielleicht fühlen, dass hier niemand auf ihn zugerannt kommt, vielleicht wie der erste Mensch, der auf dem Mars gelandet ist und nichts um ihn herum. Und dann schlendern wir die langen Gänge entlang, ganz für uns allein – erst später werden wir auf vorweihnachtlichen Unruhen der Münchner City treffen, es ist der 23. Dezember.